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70 Teilnehmer gestalteten die Konferenz für Unternehmen der GWÖ

am 8.-10. Juni 2018 im Savoyhotel, Bad Mergentheim.

Die Fränkischen Nachrichten berichteten am 16. Juni ausführlich über die Konferenz (<< pdf) (smile)

Orga-Team des AK Unternehmen: Gerd Hofielen, Jörg-Arolf Wittig, Gerd Lauermann, Kerstin Meyer

Protokoll: Kerstin Meyer, mit Unterstützung von Philipp Wodara und Daniela v. Pfuhlstein

01 Wie kommunizieren wir das GWÖ Engagement nach Außen? Impulse und Diskussion

Impulse:

Wie kommunizieren Unternehmen das GWÖ Engagement nach Außen? Kerstin Meyer (hmp Berlin)

Auf den Wunsch der Teilnehmer der Konferenz im letzten Jahr hin haben wir recherchiert, wie Unternehmen ihr GWÖ Engagement nach aussen kommunizieren. Viele gute Ideen und good practices der Unternehmen sind in dem vorgestellten Leitfaden für Unternehmen gesammelt und verfügbar gemacht. Beispiele reichen von der Bilanzierung über Webseiten bis zum Produktlabel; wir stellten aber auch fest, dass nicht alle Unternehmen mit ihrem GWÖ Engagement an die Öffentlichkeit gehen.

Kommunikation des GWÖ-Engagements an Städte und Gemeinden. Josef Rother (Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung, Marburg

Positiv eingestellte Städte und Gemeinden schätzen an der GWÖ, dass sie den schwammigen Begriff "Nachhaltigkeit" konkretisiert, so die Erfahrung des Beratungsunternehmens (Gefak). Gefak hat Entscheidungsträger aus Städten und Gemeinden über vielfältige Kommunikationsarbeit für die GWÖ sensibilisiert. Diese nutzen den GWÖ-Ansatz um mit lokalen Unternehmen zum Thema Gemeinwohlorientierung ins Gespräch zu kommen.  

<< Präsentation (pdf)

Nur wer GWÖ intern lebt, kann sein Engagement auch erfolgreich nach Außen kommunizieren! Maximilian Begovic (BKK ProVita)

<< Präsentation (pdf)

Maximilian, Nachhaltigkeitsbeauftragter der BBK ProVita, berichtet von dem kommunikations-intensiven Bilanzierungsprozess der Krankenversicherung, der u.a. auch eine Befragung der Mitarbeitenden umfasste. Das Unternehmen versendet darüber hinaus Fragebogen an seine Lieferanten und vermittelt diesen den Kontakt zur GWÖ. Die BBK ProVita kommuniziert ihr GWÖ-Engagement aktiv -  nicht nur auf der Webseite und in Printprodukten sondern auch per Pressemitteilungen und auf Messen, denn das unterstütze die Neukundengewinnung;  Das Unternehmen will die GWÖ verbreiten, und unterstützt z.B. Abschlussarbeiten zum Thema an Hochschulen sowie die Vision einer GWÖ-Region im Großraum München.

Diskussion

    • Für den Weg in die Städte und Kommunen brauche man Menschen in den Strukturen, die für die GWÖ offen sind. Gemeinsam liesse sich Skepsis bei anderen Akteuren langsam abbauen. Auch Unternehmen haben in der Vergangenheit die Möglichkeit genutzt, aktiv auf Gemeindeverantwortliche zuzugehen und sie für das GWÖ Engagement zu gewinnen. 
    • In der Diskussion wurde auf den "Resonanzboden" verwiesen, der nötig ist, damit es für die Unternehmen interessant wird, die GWÖ extern zu kommunizieren. Dieser müsste noch entstehen.
    • Das Logo sei schön aber, so argumentierten manche, es sei kaum flexibel einzusetzen;  für Produkte sei es z.B. schwerlich geeignet; die GWÖ möge die grafische Gestaltung entsprechend anpassen.
    • Es wird empfohlen die Good Practices der GWÖ-Kommunikation als handlungsorientieres Dokument für bilanzierende Unternehmen verfügbar zu machen. ("10 Schritte zur erforlgreichen Kommunikation der GWÖ")
    • Daniela (PR GWÖ) bietet an,  das Thema "Label & Richtlinien" für die Außenkommunikation auf dem nächsten Treffen der AG Komm zu besprechen und über die Ergebnisse zu informieren.

02 Strategien für die Transformation zu einer nachhaltigen und ethischen Wirtschaft

Panel mit Gästen

Bernd Schleich, B.A.U.M. e.V. vertrat die Position dass die GWÖ - wie alle Nachhaltigkeitsstandards - an einem Dilemma zu scheitern drohe, nämlich dass das Primat der Gewinnorientierung und Nachhaltigkeit letztlich nicht kompatibel seien.

Jürgen Maier (Forum Umwelt und Entwicklung e.V.) fragte herausfordernd, weshalb die GWÖ keine Massenbewegung sei, obwohl die Mehrheit der MItmenschen das kapitalistische System kritisiere und sich der gesellschaftlichen Herausforderungen bewusst sei. Ein Beispiel für eine solche Bewegung sei der Protest gegen TTIP, den das Forum Umwelt und Entwicklung mitgetragen hatte. Er forderte die GWÖ auf, sich aus der Nische zu bewegen und Verteilungsfragen zu benennen. Mit Blick auf Entwicklung der Arbeitsmärkte und das Auseinanderdriften der Gesellschaft könne GWÖ erst dann eine  breite Zustimmung finden, wenn deutlich würde dass nicht "Otto-Normal-Bürger" die Kosten für die ökologische Transformation tragen müssten.

Dr. Katharina Reuter (UnternehmensGrün e.V.) stimmte zu, dass ihrer Erfahrung nach der GWÖ-Ansatz bei vielen Unternehmen auf Widerstand stosse weil er immer auch Systemkritik beinhalte. Auch die Verteilungsfrage müsse die GWÖ nicht thematisieren, sondern man könne über Lobbyarbeit bis hin auf EU-Ebene , wie sie Unternehmensgrün e.V. betreibt, auf transformative Reformen hinwirken, z.B. dass ökologisch schädliche Produkte ihren wahren Preis kosten, also teurer werden als Bio-Produkte. Dann hätte man kein Akzeptanzproblem mehr.

Jörn Wiedemann (Terra-Insitute /  und AK Unternehmen der GWÖ) sah kein grundsätzliches Problem in der Systemkritik der GWÖ. Im Gegenteil,  gerade weil die systemimmanenten Widersprüche im Kapitalismus so gross geworden seien, kämen selbst "konventionelle“ Unternehmen bereits auf die GWÖ zu. Er räumte ein, dass die GWÖ diese Unternehmen oft auch wieder verschrecken würde, z.T. weil als Management-Tool doch sehr fordernd und aufwändig, z.T. weil sie inhaltlich verunsichert würden durch starke inhaltliche Positionen in den Arbeitsbüchern oder weil die Bewegung hinter der gemeinsamen politischen Vision doch sehr divers sei.

Diskussion

    • Von Seiten der GWÖ-Unternehmen wurde betont, dass der Begriff GWÖ mit der Matrix im Hintergrund aus ihrer Sicht gerade nicht so manipulierbar sei wie der Begriff Nachhaltigkeit. Der Begriff sei ausserdem als Verfassungswert qualitativ gesetzt.
    • Es wurde vorgeschlagen, in der Kommunikation nach aussen zu unterscheiden zwischen der Bilanz einerseits und der kampagnenfähigen politischen Vision.

03 Impulse aus den Unternehmen und Diskussion

Impulse:

Erfahrungen der WBS Training bei der Bilanzerstellung. Christian Liebhardt (WBS-Training)

Die WBS Training ist mit 1300 MitarbeiterInnen eines der größten GWÖ Unternehmen. Der erste Bilanzierungsprozes (2015/6) wurde aus dem Führungskreis angestossen und dauerte ca 9 Monate. Mithilfe von Online Workshops und einer Befragung wurden Mitarbeiter an den 200 Standorten der WBS erreicht.  Die umfangreiche Datenerhebung ermöglichte eine gute Analyse des Status Quo im Unternehmen und förderte die interne Kommunikation darüber. Viele Mitarbeiter nutzen den Prozess zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Themen. Als Folge aus dem Bilanzierungsprozess setzte sich das Unternehmen z.B. mit der Frage auseinander,  mit welchen Kunden die WBS unter Umständen auch nicht arbeiten wolle (ethische Standards). Aktuell entwickelt die WBS eine Nachhaltigkeitsstratgegie auf Grundlage der GWÖ Bilanz und den SDG.

<< Präsentation (pdf)

Die Wertschätzung der Eigentümer-UnternehmerIn in der GWÖ. Harro Colshorn (Bio-Gärtnerei)

Harro Colshorn, seit den 80er Jahren Biogärnter im Bioland Landesverband und aktiv in der GWÖ Bewegung kritisiert eine z.T. pauschal negative Bewertung von Eigentum in der GWÖ. Er erinnert daran, dass wir den ökologischen Landbau heute den alternativen Landwirten in den 60er Jahren verdanken. Diese Pioniere waren Eigentümer-UnternehmerInnen, die den Ökolandbau dank ihrer Kundschaft, den kritischen VerbraucherInnen, entwickeln konnten - ohne Druck externer Geldgeber und ohne Unterstützung durch den Staat. Diese seien doch eigentlich die "natürlichen Verbündeten" der GWÖs und haben mit Untrenehmen die vorrangig Kapitalrenditen erwirtschaften, nichts gemein. Er wünscht sich in der GWÖ Bewegung und in der GWÖ-Methodik eine "radikal kritsche aber differenziertere" Wertschätzung von Eigentümer-Unternehmen, die auch berechtigt und sinnvoll Gewinne erwirtschaften müssen, zur Beschäftigung der MitarbeiterInnen und um den Unternehmenssinn aufrecht zu erhalten.

<< Präsentation (pdf)

Gemeinsam nachhaltig wachsen  -  Zwei Gemeinwohl-Unternehmen starten eine Werte-Kooperation, Simon Stadler (Polarstern)

Polarstern will "mit Energie die Welt verändern", verkauft Ökostrom und Ökogas, und investiert in die Energiewende. Mit der Spardabank München verbindet sie nicht nur die Stadt: sie sind beide Pionierunternehmen in ihren Branchen, und sorgen sich um einen fairen Umgang mit ihren Stakeholdern; die Kundinnen stehen für Sie im MIttelpunkt: für diese sind Wechsel des Energiesversorgers und des Bankanbieters niedrigsschwellige aber langfristig wirksame und weitreichende Entscheidungen hin zu einem sozial-ökologisch bewussten Leben. In einer sog. Werte-Kooperation unterstützen Sparda-Bank München und Polarstern gegenseitig die Gewinnung von Neukunden. Simon legte den Fokus seines Berichts auf den ca. zweijährigen Prozess wie die beiden Unternehmen die Praxis der Kooperation Schritt für Schritt entwickelten. Wichtig waren dabei überzeugte MItarbeiterInnen, die die Kooperation "leben" und beharrlich vorweg gehen.

<< Präsentation (pdf)

Reparieren. Elisabeth Prantner (Lisa D & Bis es mir vom Leibe fällt)

Elisabeth, Inhaberin des Mode-Labels Lisa D, hat das Unternehmen "Bis es mir vom Leibe fällt" als Reaktion auf die extremen Veränderungen in der Modeindustrie gegründet. Die globalisierte Fast Fashion, mit ihren langen Transportwegen und sklavenartigen Arbeitsverhältnissen habe sich ausgebreitet wie ein Virus. Das Veränderungsatelier "Bis es mir vom Leibe fällt" hilft hingegen KundInnen dabei, ihrer alten Kleidung neues Leben einzuhauchen und "Ändern zu leben"  Das Team will damit zeigen, dass die Veränderung unseres Konsumverhaltens neue Möglichkeiten eröffnet. In ihrem Geschäftsmodell haben Kundengespräche, Seminare und offene Werkstätten einen hohen Stellenwert, so dass innerhalb weniger Jahren ca. 12.000 KundInnen mit dieser Botschaft persönlich erreicht wurden. In Konkurrenz zur schädlichen Billigproduktion operieren Repartur-Werkstätten jedoch am Rande der Wirtschaftlichkeit. Elisabeth plädierte für die Absenkung der MWSt für Reparaturen. In skandinavischen Ländern wird seit einer solchen Absenkung mehr repariert!

<< Präsentation (pdf - 5 MB)

Der Beitrag der GWÖ zu den globalen Sustainable Development Goals. Matthias Kasper

Matthias erklärte anschaulich den theoretischen Zusammenhang zwischen dem globalen Rahmenwerk der Sustainable Development Goals (Agenda 2030) und dem der GWÖ. Mathias folgert, dass die GWÖ ein "spannender Ansatz" sei, um die Agenda 2030 umzusetzen. Er beantwortete auch im Detail die Frage, welche Aspekte der GWÖ Matrix welchen SDG Zielen "zuarbeiteten". Seine Präsentation und die Ergebnisse seiner Masterarbeit sind bereits nachgefragte Referenzen für alle GWÖler, die sich mit den SDG auseinandersetzen. Er stellt sie uns hier zur Verfügung:

<< Präsentation (Online-Präsentation)

Die Stiftung Gemeinwohlökonomie – welchen Nutzen hat sie für die Gemeinwohlökonomie-Bewegung? Albrecht Binder (St.Rochus-Apotheke) und Reinhard Raffenberg.

Reinhard Raffenberg erläuterte die Rechtsform einer gemeinnützigen Stiftung. Diese hätten ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Sie sind einfach zu gründen und eigneten sich für die Sammlung von Geld- und Sachspenden besser als Vereine; zudem sind sie flexibler in der Mittelverwendung als Vereine. Stiftungen könnten also ein nützliches Instrument für die Finanzierung von GWÖ-Projekten und anderer Arbeit der Regionalgruppen sein. Konkret haben Albrecht Binder, Annegret Binder, Reinhard Raffenberg und Camilla Pfaffhausen im Dezember 2017 in Absprache mit dem Internationalen Koordinations-Team (IKT) eine GWÖ-Stiftung für die Region Ostwestfalen / Lippe gegründet. Eine Immobilie wurde in eine Stiftung übertragen und die Gewinne werden auf diese Weise - unversteuert -  der GWÖ zu Gute kommen. Manfred Jotter soll in absehbarer Zeit zum Kuratorium dazustossen. Dieses Gremium entscheidet über die Mittelverwendung.

<< Präsentation (pdf)

04 Marktplatz

Die Kooperation zwischen SHIFT & GWÖ. Samuel Waldeck, Daniel Rauh

Das junge Familienunternehmen SHIFT produziert seit 2014 Smartphones und Tablets auf High End Niveau und setzt dabei neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit und Fairness, die Geräte werden z.B.  von MitarbeiterInnen in China unter tatsächlich angemessenen Lohn und Arbeitsbedingungen gebaut; sie sind modular, also auch vom Nutzer reparierbar; SHIFT ist eine Kooperation mit der GWÖ einegangen: Für jedes an GWÖ-Mitglieder (und deren Mitarbeiter) verkaufte Handy werden 10% des Verkaufspreises an die GWÖ-Bewegung (int. Verein) abgeführt und damit die politische Arbeit befördert. "Wir wollen erreichen, dass ethische Unternehmen künftig anders besteuert werden, als solche, die sich nicht am Gemeinwohl orientieren." (<< pdf)

<< Video  (Pro 7 Dokumentation)

Vorstellung des neuen Instituts für gemeinwohlorientierte Wirtschaftspraxis in Wien. Katharina Liebenberger.

Die neugegründete Organisation bietet ab Herbst Weiterbildung für UnternehmerInnen und BeraterInnen an.

<< Präsentation (pdf)

Büchertisch von Buch7

Elobau



05 World Café Workshops


Entsprechend der World Café Methode fanden die Workshops jeweils drei mal hintereinander mit wechselnder Teilnehmergruppe statt. Jedes Protokoll fasst die Ergebnisse der drei Sessions zusammen.

1_ Alternative Eigentumsstrukturen. Achim und Adrian Hensen (Purpose Stiftung)

Ein Unternehmensverkauf kann besonders für sinnorientierte Unternehmen negative Konsequenzen haben.
Achim und Adrian Hensen von der gemeinnützigen Purpose-Stiftung stellten alternative Eigentumsstrukturen vor, um Unabhängigkeit und Wertorientierung langfristig zu erhalten

<< Workshop Protokoll (pdf)

<< Weiterführende  Informationen:  << Broschüre Verantwortungseigentum  << Beispiel Waschbär brand eins Februar 2018  << Eigentumskonferenz „Das sich selbst gehörende Unternehmen"

2_ Erste Erfahrungen mit der Matrix 5.0 am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung. Daniel Oppold (IASS, Potsdam)

<< Workshop-Protokoll (pdf)

3_ Kommunale Betriebe als Katalysatoren für mehr Nachhaltigkeit und mehr. Dr. Oliver Viest (em-faktor)

Stuttgart macht erste Erfahrungen mit der Gemeinwohl-Bilanzierung kommunaler Betriebe. Diese zeigt Wirkung auf Politik und Wirtschaft in der Region.
Wir diskutierten die Herausforderungen und die Möglichkeit das Stuttgarter/Baden-Württemberger Modell auf andere Kommunen oder Bundesländer zu übertragen.

<< Workshop Protokoll (pdf)

4_ Entwicklung des AK Unternehmen (Gerd Hofielen, Michael Stober)

<< Workshop Protokoll (pdf)

5_ Entwicklung der Unternehmens-Plattform. Nikolaus Teixeira (communications & design),Ludwig Schuster (sinnwerkstatt)

Unternehmen wollen beweisen, dass die GWÖ funktioniert und diese Plattform kann helfen, dieses darzustellen.
Unternehmen können ihr Unternehmen hochwertig darstellen, werden als GWÖ-Unternehmen sichtbar und findbar, und können sich auch selbst mit anderne GWÖ-Unternehmen leicht vernetzen.
Die Entwicklung der Plattform mit vielen Beteiligten war eine Herausforderung die nach holprigen Start großartig geklappt hat.
Unterstützer*innen & werbewillige Unternehmen werden gesucht.

<< Workshop Protokoll (pdf)

06 Das wissenschaftliche Fundament der GWÖ: Panel mit Gästen

Andreas Huber (Club of Rome)

Andreas Huber erinnerte an Dennis Meadows und den ersten Bericht des Club of Rome "Die Grenzen des Wachstums" von 1972; Der richtete  die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen Mensch und Planeten. Der Mensch ist seither noch mächtiger geworden, er kann technologische Fortschritte  zur Ausbeutung des Planeten oder für eine nachhaltige Ausrichtung seiner Existenz einsetzen. So ist der Titel des jüngsten Berichts an den Club of Rome "Wir sind dran" - bewusst doppeldeutig gewählt. Wir brauchen, sagte Andreas, nichts weniger als eine "neue Aufklärung". Wichtiger Hinweis: Im genannten Bericht ist die GWÖ als ein Lösungsansatz beschrieben (S.310).

<< Präsentation (pdf)

Christian Felber (GWÖ Initiator und Autor)

2017 wurde der AkteurInnenkreis Wissenschaft und Forschung (WiFo) wiederbelebt und zusammen von Sara Franzeck (HS Bremen, ehrenamtlich) und Katharina Thill (Österreichischer GWÖ-Forschungsverein, 20 Stunden): wissenschaft@gemeinwohl-oekonomie.org. Christian Felber berichtete über aktuell geplante / im Aufbau befindliche Infrastrukturen und Aktivitäten des AK Wissenschaft und Forschung (WiFo). Details im folgenden Dokument.

<< Übersicht (pdf)

Jana Gebauer (Freie Unternehmensberaterin, Dozentin und Fellow am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), ermutigte die GWÖ Unternehmen ein, sich als Teil einer größeren, über die GWÖ hinaus reichenden Wandelbewegung zu begreifen. Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) seien Akteure, die die Gesellschaft verändern können. Sie würden aber leider oft nicht als solche gesehen, oder gewollt.

        • Die Transformationsforschung  zeige, dass die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse zwar gestaltet werden müssen, aber trotzdem nicht gestaltbar sind  -  letztlich passiert was passiert. Die Forschung zeige auch, dass es es innerhalb der Transformationsbewegung zwar Wertekonflilkte und auch Beharrungskräfte gibt, wichtig jedoch seien eine geteilte Leitvorstellung und gelebte Alternativen (transformative Schritte) auf die die Transformationsbewegung "schaut".  Die GWÖ habe beides: ihren theoretischen "Überbau" wie auch die Erfahrung und das Wissen um die praktische Umsetzung, eine Trennung wäre nicht sinnvoll.
        • Stichwort Transformative Dynamik: Die KMU, die selbst 60% der Angestellten beschäftigen und die ihre Ansätze in die Wertschöpfungsketten und zu peers tragen, seien bereits hervorragende gesellschaftliche Multiplikatoren. Um in die Breite zu wachsen müsse die die Bewegung zudem Koalitionen eingehen, auch unorthodoxe, und andere Milieus erreichen. 
        • Stichwort Demokratie: Unternehmen gelten im öffentlichen Diskurs eher als Teil des Problems als als Teil der Lösung, weil nur das börsennotierte Grossunternehmen wahrgenommen wird während die KMU aus dem Blick fallen.  Die Differenzierung müssen wir entwickeln: Wie verstehen wir Eigentum? Wie vielfältig sind die Formen von Wachstum? Wie demokratisch legitimierbar ist unternehmerische Gestaltungskraft in der Gesellschaft? Was wären Anforderungen für uns als UnternehmerInnen tatsächlich in Transformationsprozessen aktiv zu werden - Und zwar nicht als Lobby-Gestaltungsmacht?

Gerd Hofielen (hm-practices)

1) Das Projekt "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien" (GIVUN) untersuchte die GWÖ aus der Perspektive wissenschaftlicher Forschung. Es wurden 12 GWÖ Unternehmen untersucht und vergleichsweise vier Konzern-Unternehmen: Im Ergebnis kommt die Studie zum Schluss dass die GWÖ im Vergleich mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, EMAS und ISO 26000 die Unternehmen am deutlichsten bei der Veränderung ihrer Geschäftspraktiken zu mehr Nachhaltigkeit unterstützt. Die GWÖ ist damit nachweisbar die wirkungsvollste Methode. Laut Dr. Klara Stumpf, die den Gesamtbericht vorstellte, ist die GW-Bilanz Quelle für Impulse in folgendenn Bereichen: 

        • Verstärkte Kooperation mit anderen Unternehmen
        • Stärkung interner Beteiligungsstrukturen
        • Verstetigung und Ausbau gemeinwohlorientierter Praktiken (z.B. Einstellungspraxis, Kennzeichnung auf Produkten)
        • Außenkommunikation über Bilanz-Anforderungen
        • Ökologische Maßnahmen (z.B. bei Ernährung, Energie, Beschaffung)

<<  Die Ergebnisse der Studie sind hier veröffentlicht: Givun-Webseite der Universität Flensburg. Es gab auch ein Echo in der Presse.

2) Der Lehrstuhl für Gemeinwohlökonomie der Universität Valencia hat im Frühjahr 2018 eine Umfrage an alle GWÖ Unternehmen, die jemals eine Bilanz erstellt hatten, unternommen - das waren ca. 450 Unternehmen, von EPU bis zu Unternehmensgrößen von knapp unter 2.000 Mitarbeiter*innen. Die  Vorab-Auswertung von zwei Fragen  zeigt, dass wesentliche Voraussetzungen der ökonomischen Performance wie Kundenzufriedenheit, Qualität, Innovation und Reputation verbessert werden, laut knapp der Hälfte der Befragten (Bild1) . Dass wenige Unternehmen berichten, der Profit sei negativ beeinflusst worden, kann eine Konsequenz erhöhter Fairniss in der Beziehung zu Lieferanten, Mitarbeitern oder Kunden sein; das ist die Absicht der ethischen Veränderung. Auch mit Blick auf weitere Aspekten der Geschäftsprozesse (Bild 2, Auszug!) berichten die Unternehmen, dass die GWÖ Bilanz durchaus die beabsichtigten Wirkungen hat. Die vollständige Studie wird im Herbst veröffentlicht.

Slide Preliminary Results Uni Valencia 01

Diskussion

Die Diskussion berührte folgende Fragen:

        • Zur Transformations-Dynamik: Wer sind die Koalitions- und Bündnispartner aus Jana's Sicht? Antwort: Akteure die lokal / regional Einfluss haben oder lokalpolitisch aktiv sind. Auf der aggregierten Ebene sind es die Transformationsströmungen, die versuchen, Konvergenz herzustellen.  (solidarische Ökonomie, Postwachstum, solidarische Landwirtschaft) . Diese nehmen mittlerweile Notiz von der GWÖ (Greenpeace!) . Könnten Unternehmen als "refomerische" Aktuere gar ein radikal veränderndes Moment mitbringen und konventionellen Unternehmen "zeigen wo es lang geht"?
        • Die Frage ob sich die GWÖ dem Vorwurf stellen müsste, sie sei nicht wissenschaftlich, weil es keine Literatur darüber gebe sei mittlerweile überholt, da Forschungsergebnisse vorliegen. Die GWÖ ist eine wissenschaftlich anzuerkennende Theorie; sie stellt ein Modell zur Verfügung, dieses wird von gesellschaftlichen Akteuren und Unternehmen angewendet und diese Wirkungen werden erforscht.
        • Wie sich der Club of Rome die "Heilung" des Bewusstseins in der Gesellschaft vorstelle, das ego-zentrische, kurzfristige, materielle Vorteile suche ohne die Konsequenzen zu verantworten. Antwort: Durch viel Arbeit. Der Club of Rome will an der Bildung ansetzen und Schulen gründen. Motto: There are no limits to learning.

07 Die GWÖ-inspirierte Organisations-Entwicklung – ein Beitrag zur großen Transformation?

Impulse

Erfahrungen aus der GWÖ-Bilanzierung in der Branche des Gebäudemanagements. Nils Bogdol (Ray Facility Management)

Ray Facility Management ist mit 3000 Mitarbeiter*innen das erste und größte GWÖ-zertifizierte Unternehmen im Gebäudemanagement. Geschäftsführer Nils Bogdol erläuterte dass in der Branche Arbeitsplatzqualität, Arbeitssicherheit und Gleichstellung für die MitarbeiterInnen zentrale Themen sind;  Die GWÖ sei darüber hinaus aber auch ein unternehmens-kulturelles Thema, das man nur mit Zeit bei allen im Unternehmen verankern kann. Es ist nicht immer leicht die Mitarbeitenden für Themen "out of the box" zu motivieren. Ein Angebot an die Mitarbeiter, sich an der GmbH zu beteiligen wurde z.B. nur von 10 (aus 3000) angenommen. Ray FM 's erzieltes Bilanzergebnis lag am Ende unter den eigenen Erwartungen - aber das motiviere, daran zu arbeiten.

< Präsentation (pdf)

Erfahrungen von elobau mit der Matrix 5.0 -  vom partizipativen GWÖ-Bericht zum Management System, Tobias Fetscher (elobau)

Elobau  ist ein weltweit agierender Elektronik-System-Lieferant mit über 800 Mitarbeitern und rund 10.000 Artikeln im Sortiment. Das Unternehmen arbeitet selbst klima-neutral. Elobau ist jetzt auch ein familiengeführtes Stiftungsunternehmen. Nach vier Jahren GWÖ-Aktivität und der nun zweiten auditierten Vollbilanz entwickelt es aus dem GWÖ-Rahmen ein Managementsystem. Herausforderungen liegen in der Überprüfung und Optimierung der sehr großen Zuliefererkette (1.400 Liefant*innen) bei zudem geringer Marktmacht. Rückmeldungen an die GWÖ:  (1) Beim Bilanzierungsprozess klaffte öfters eine große Lücke zwischen GWÖ-Begriffen und Wirtschafts-Begriffen bzw. Indikatoren. Da fehlten stärkere Definitionen. (2) Die Managementsysteme, die das Unternehmen bereits anwendet (ISO9000, EMAS) müssten stärker wertgeschätzt und in die Matrix integriert werden.  (3) Ansonsten ist die GWÖ für elobau ideal als Managementsystem. Sie ist lebendig, extern auditiert und setzt den Fokus auf kontinuierliche Verbesserung. Auf Grund der Umstellung 4.1 - 5.0 hat die Vergleichbarkeit etwas gelitten. Die neue Struktur des Handbuchs und Vereinheitlichung der Themen sind hilfreich, die partizipative Qualität der Bilanz ist top!

< Präsentation (pdf)

Mit Design Thinking Wandel gestalten. Christoph Harrach (Technische Universität Berlin)

Christph berichtet von den Erfahrungen aus seinem Forschungsprojekt zur Förderung von Nachhaltigkeitsinnovationen durch Mitarbeiter-Integration (TU Berlin). 8 Unternehmen nahmen teil (Otto, Vorwerk, Dr. Hauschka, Sonnett, etc.). Die offene Innovatoinsmethode des design thinking wurde dabei eingesetzt. (Mehr dazu auf www.imcon.de; www.nachhaltigkeitsinnovation.de) Im Ergebnis wurde die Hypothese "Offene Innovationsauftäge verstärken das Gefühl der Selbstwirksamkeit der Mitarbeiter." durch die Forschung bestätigt.  Kommunikation nach innen lohnt sich also wirklich! 

Diskussion

Empfehlungen von Unternehmen um die GWÖ Methodik als Managementsystem zu entwickeln:

          • Die GWÖ solle ihre Methode langfristig nicht nur berichtsorientiert sondern auch prozessorientiert entwickeln. Denn die Veränderungsprozesse, die wir intern in Gang setzen wollen, brauchen Zeit.
          • Macht es Sinn Zulieferer weltweit nach einer GWÖ Zertifizierung zu fragen? Warum werden stattdessen Audits bei den Zulieferern nicht gewertet?
          • Die vorhandenen Systeme (ISO9000, EMAS ) in die GWÖ Berichterstattung integrieren bzw Schnittstellen einbauen. GWÖ sollte Kontakte zu anderen Zertifizierungsstellen aufnehmen, um sich aufeinander abzustimmen 
          • Bitte die Berichtsfrequenz verringern
          • Die GWÖ müsste nicht nur dokumentieren, sondern auch Lösungen anbieten, um tatsächlich Veränderungen anzustossen.

Wie kann die GWÖ-Bilanzierung zur Leitlinie für die CSR-Berichterstattung werden? Christian Felber (GWÖ-Initiator und Autor)

Christian Felber stellte die Kampagne „Gleichstellung von Finanz- und Ethikbilanz“ vor, die die GWÖ-Delegiertenversammlung gerade beschlossen habe: Die erste Version der NFI-Richtlinie der EU war stark verwässert. Eine Revision könnte zu einer wirksamen und flächendeckend anwendbaren Richtlinie führen. Idee ist die Einbindung verschiedener gesellschaftlicher Sektoren wie (Flaggschiff-)Unternehmen, Politiker*innen, Konsument*innen (Stichwort GWÖ-Label) und Wissenschaftler*innen. Letzere könnten folgendes Forschungsprojekt durchführen: Zuerst werden die Stärken und Schwächen der bestehenden 10 – 15 wichtigsten Berichtsrahmenwerke vergleichend analysiert. Auf Basis dieser Analyse werden sie integriert zu einem einheitlichen und rechtsverbindlichen Bilanzstandard in Analogie zur Finanzbilanz. Wer weitere Ideen zur Kampagne hat, melde sich bei Andrea Behm oder Christian Felber.

< Näheres in diesem Dokument .

08 Manöverkritik

Hotel:

Die TeilnehmerInnen bedankten sich bei den MitarbeiterInnen des Savoyhotels für deren z.T. wochenlangen Einsatz in der Vorbereitung und schliesslich einen reibungslosen Ablauf der Konferenz - bei krassen Temperatuen.  Bemerkenswert war das Engagement, das der Küchenchef und sein Team in die Umstellung des Essens-Angebotes des Hotels auf "fair, regional und ökologisch" setzte. Anstelle seiner normalen Einkaufsroutine unternahm er selbst Einkaufstouren um regionale und ökologische Anbieter zu finden: Das (wenige) Fleisch kaufte er beispielsweise also nicht vom Grosshändler aus Norddeutschland sondern von einer regionalen Erzeugergemeinschaft in demeter Qualität ein. Auch die meisten anderen Produkte fand der Küchenchef schliesslich bei regionalen und zertifizierten Anbietern. Wir hoffen, dass das Hotel jetzt vielleicht öfter regional und ökologisch einkauft und kocht, und die Erfahrung weiter trägt.

Feedback - Barometer



Vorschläge

          • eine TeilnehmerInnenliste versenden
          • Kennenlernen der TeilnehmerInnen in Programm einbauen
          • Achtsamkeit für Zeit / späte Anfangstermine
          • Visualisierung Programm/ Überblick.
          • Viele Folien waren unleserlich
          • Mehr Klima / Begegnung
          • Nur 1,5 h Stunden Pause am Abend!
          • besser: nur eine Abendveranstaltung, am Freitag
          • mehr Formate ähnlich des World Cafes
          • zusätzlich kleine Gesprächsrunden (max 8 Personen) anbieten
          • Statt Frontbeschallung der Podiumsdiskussionen : Kreisstruktur. Macht mehr Sinn bei freien/wechselnden Stühlen
          • Warum alles drinnen? Empfehlung: Diskussionen draussen, spaziergänge
          • Vollwertige vegane Alternative zu jeder Mahlzeit zukünftig wünschenswert
          • Bauch&Herz&Hirn mehr verbinden. Danke für kurze Meditation.
          • Bitte keine Folienpräsentatoinen - unterstützend gerne, aber selbst die Wirtschaft und Konzerne sind her schon weiter weg.
          • Namensschild-Lösungen die nicht verschmieren oder abgeschwitzt werden können.
          • Weibliche Impulse von Mann und Frau sind wichtig, z.B. Klangschale, Atmen, Bewegung, Meditation, Inspiration
          • Das Wohl des Anderen/GWÖ/unterbrechen
            auf deinen Nachbarn....jetzt
          • Alle Inputgeber bitte die Redezeit-vorgaben einhalten. Moderation auf diskrete aber nachhaltige Art darauf zu achten.
          • Teilnehmerliste vorab bekannt machen /wer einverstanden ist / Fahrgemeinschaften
          • Pünktlich anfangen
          • Als Unternehmer nur die Impulse von Unternehmen  mitgenommen: lieber intensives Arbeitenan konkreten Fragen und am Nutzen von Unternehmen orientiert /  nicht so viel allgemeines

Die nächste Konferenz

An welchen Wochentagen?

          • Unter der Woche: 22 Widerstände
          • Wochenende: 28 Widerstände
          • Freitag / Samstag: 8 Widerstände

Wo?

          • Wieder hier :  dafür: 9 , dagegen: 17 ,   unbestimmt: 20
          • Landgut Stober in Brandenburg:  dafür 26,  unbestimmt 5
          • Seminarhaus Bad Meinberg (Kassel Bielefeld): dafür 7,  unbestimmt 22

09 Kickoff-Treffen der AG Start-Ups

Sonntag, 10.Juni, 13-15 Uhr

< Protokoll des Treffens (pdf)

10 Diverses

Buchtip

Vorschlag für ein ideales Geschenk für Kunden der GWÖ-Unternehmen:

Rainer Müller: König Kunde: Kurzgeschichten für Konsumenten. €16. Zu bestellen bei: rainer.mueller@gemeinwohl-oekonomie.org

https://www.koenig-kunde-kurzgeschichten.de

11 Fotos


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